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Details zur Embolisation

Dieses Verfahren wurde erstmals von Ravina 1994 für die Behandlung von symptomatischen Gebärmuttermyomen beschrieben und wird in Österreich ungefähr seit dem Jahre 2000 angewendet. Weltweit wurden bisher bereits über 100.000 Eingriffe durchgeführt und mehr als 700 Studien publiziert. Erfahrungen mit der Embolisation (das ist das "Verschließen" von Gefäßen) im kleinen Becken beruhen vor allem auf Anwendungen bei Blutungen nach Geburten, Unfällen und bei Tumoren. Dieses Verfahren wird von speziell ausgebildeten Radiologen, den so genannten Interventionellen Radiologen durchgeführt. Diese Fachärzte haben sich auf die Anwendung minimal-invasiver, bildgesteuerter Eingriffe spezialisiert, unter anderem auch auf Eingriffe über das Gefäßssystem wie eben die Embolisation. Dazu werden über nur wenige Millimeter große Einstiche sehr kleine Werkzeuge in den Körper eingebracht und mit Hilfe von Röntgen, Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie an nahezu jeden Ort im Körper zu gelangen.

Bei der Myomembolisation wird unter lokaler Vereisung in der Leiste mit einem kleinen Stich die Beinschlagader (Arteria femoralis communis) punktiert und ein Katheter mit 2mm Durchmesser eingebracht. Dieser Katheter wird unter Röntgendurchleuchtung in die innere Beckenschlagader (Arteria iliaca interna) eingebracht und anschließend wird ein noch kleinerer Katheter (Mikrotkatheter) mit 1 mm Durchmesser in die Gebärmutterschlagader (Arteria uterina) navigiert. Mit Hilfe von Kontrastmittel wird jener Teil des Gefäßes aufgesucht, der ausschließlich die Gebärmutter versorgt und von dieser Stelle aus werden 500-900 µm kleine Kunststoffkügelchen (aus Polyvinylalkohol oder Trisacrylgelatin) in das Gefäßsystem eingeschwemmt. Diese Kügelchen "verstopfen" die Sinusoide und Arteriolen der Myome und Adenomyoseareale, während das gesunde Gebärmuttergewebe über Umgehungskreisläufe ausreichend mit Blut versorgt wird. Wenn keine Durchblutung der Myome und Adenomyoseareale mehr nachweisbar ist, wird das gleiche Verfahren auf der Gegenseite angewendet. Ist auch von der Gegenseite keine Durchblutung mehr nachweisbar, wird der Katheter entfernt und die Punktionsstelle mit einem Druckverband versorgt. Schemazeichnungen zum Ablauf der Intervention finden Sie am Ende dieser Seite. Insgesamt dauert der Eingriff etwa eine Stunde, nach einigen Stunden kann die Patientin aufstehen und im Regelfall nach einem Krankenhausaufenthalt von insgesamt 3 Tagen nach Hause entlassen werden. Während des Eingriffes und in den Tagen unmittelbar danach können Schmerzen auftreten, die jedoch mittels Medikamenten gut behandelbar sind. Die Gebärmutter bleibt vollständig erhalten, es wird keine Narkose benötigt und es bleiben keine Narben zurück. Nach einer Schonungsphase von etwa einer Woche kann die Patientin ihre gewohnten Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Da den Myomen und Adenomyosearealen die Blutversorgung entzogen wird, schrumpfen diese im Verlauf der nächsten Wochen und Monate um bis zu 60%, und im gleichen Zeitraum verringern sich auch die Beschwerden. Die technische Erfolgsrate der Therapie beträgt ungefähr 95% und bei 90% der Patientinnen ist ein guter Therapieerfolg und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität zu erwarten, der entsprechend Studienberichten auch nach 7 Jahren noch anhält.  Bei 80 bis 90% der Patientinnen werden die Druckbeschwerden gelindert und bei nahezu allen normalisiert sich die Regelblutung. Trotzdem muss erwähnt werden, dass im Langzeitverlauf bei 15-20% der Patientinnen trotzdem eine weitere Therapie (Embolisation, Myomektomie, Hysterektomie) nötig ist. Die europäische und amerikanische Fachgesellschaft für Interventionelle Radiologie (CIRSE, SIR) haben die Häufigkeiten der wichtigsten Komplikationen wie folgt angegeben:

  • Vorübergehendes Ausbleiben der Regelblutung: 5-10%
  • Eintritt des Wechsels bei Frauen < 45 Jahre: 0-3%; > 45 Jahre: 7-14%
  • Späterer Abgang des Myoms über die Scheide: 0-3%
  • Gynäkologische Infektion: 1-2%

Die Embolisationstherapie wurde in sogenannten prospektiv-randomisierten Studien (das ist die höchste Kategorie der medizinischen Evidenz) anderen Therapieverfahren gegenüber gestellt und die Ergebnisse in so prominenten Journalen wie dem New England Journal of Medicine publiziert. Hier zeigt sich im Vergleich mit der Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) ein vergleichbarer Therapieerfolg, jedoch mit deutlich kürzeren Rekonvaleszenzzeiten und geringeren postoperativen Schmerzen für die Embolisation. Im Vergleich mit der Ausschälung von Myomen (Myomektomie) zeigt sich ein vergleichbar bis gering besserer Therapieerfolg mit geringeren Komplikationen für die Embolisation, jedoch mit etwas schlechteren Erfolgsraten bei Patientinnen mit Kinderwunsch. In ersten Vergleichsstudien mit dem Verschluss der Gebärmutterarterie mittels Bauchspiegelung (LUAO) zeigt sich in Bezug auf Blutungssymptome eine überlegenheit der Embolisation, bei jedoch etwas stärkeren Schmerzen unmittelbar nach dem Eingriff.

Zusammenfassend kommt die Amerikanische Gynäkologische Gesellschaft in ihren Richtlinien zur Behandlung von Myomen im August 2008 zu dem Schluß, dass "basierend auf kurz- und langfristigen Daten, die Embolisationstherapie eine sichere und effektive Option für entsprechend ausgewählte Frauen, welche die Gebärmutter erhalten wollen, darstellt".

Schemazeichnung der Gebärmutter und der Eierstöcke mit einem rechtsseitig (auf der linken Bildseite) gelegenen Myomknoten.

Schemazeichnung der Punktion in der rechten Leiste mit Injektion von Kontrastmittel und Kunststoffkügelchen.

Winzige Kunststoffkügelchen werden über einen dünnen Katheter gespritzt und verstopfen die Blutgefäße zum Myom.

Die Kunststoffkügelchen haben sich in den Gefäßen festgesetzt und die Durchblutung gestoppt.